Kalkutta liegt am Ganges, Paris liegt an der Seine…

kolkata-city-at-night-1728x800_cEs muss mehr als vierzig Jahre her sein, dass ich das zum letzten Mal gehört habe, doch als ich auf dem Flughafen in Kolkata lande, ist es plötzlich wieder da:

Kalkutta liegt am Ganges, Paris liegt an der Seine, doch dass ich so verliebt bin, das liegt an Madeleine …

Es war dieses kleine, altrosafarbene Transistorgerät mit ausziehbarer Antenne und der großen Scheibe zum Einstellen des Senders, oben rechts der Jauerling, aus dem dieser Schlager von Vico Torriani jedes Wochenende plärrte. Das Kofferradio meiner Großmutter war der unbestrittene Mittelpunkt jener sonnigen Nachmittage an denen sie “auf der Alm”, dem Gartenhäusel keine fünf Höhenmeter hinter unserem Haus, zum Kaffee essen ging und hörte, was sie verächtlich die “Erbschleichersendung” nannte.

IMG_20150404_185231Jetzt bin ich also in Kalkutta und mir gehen Text und Melodie, die sich vor mehr als vier Jahrzehnten in mein Gehirn eingegraben und in einem verborgenen Winkel unbemerkt versteckt gehalten haben, nicht aus dem Sinn. Dabei gibt es außer dem Wort Kalkutta kaum etwas, das diese Kindheitserinnerung aus den Tiefen der grauen Masse hervorspülen hätte können.

Das mit dem Verliebtsein und der Liebe ist ohnehin so eine Sache: geht es um die erste, die wahre, die späte, oder die unerwiderte Liebe? Ich habe alles (?) – yes, my dears, make your pick – erlebt. Nur eines ist gewiss,  ich kenne keine Madeleine!

Zurück zu Kalkutta: Laut offizieller Zählung leben hier im Großraum der Stadt rund 15 Millionen Menschen, laut Schätzungen sind es fast doppelt so viele. Beim Aussteigen aus IMG_20150404_191024dem Flugzeug verschlägt es mir den Atmen – es ist feucht, heiß und den Feinstaub kann man richtiggehend schmecken. Industrie, Kleingewerbe und vor allem der Verkehr haben die Stadt zu einem Moloch, einer gnadenlos alle und alles verschlingende Macht gemacht. Es gibt wohl kaum einen anderen Ort auf dieser Welt an dem die Kluft zwischen arm und reich so sichtbar ist.

IMG_20150404_182944Betonpfeiler als Fundament kommender Hochbahnen und -straßen recken sich hier ebenso in den grauen Himmel wie Wolkenkratzer die ihrer Fertigstellung harren und zu deren Füßen ausgemergelte Gestalten hinter den Bauzäunen einen Schlafplatz für die Nacht gefunden haben. Kinder baden in einer Wasserfontaine, die aus einem beschädigten Hydranten schießt, gleich neben einem stinkenden Kanal in dem im alles erstickenden grünen Schleim, nur Plastik jeglicher farbiger Schattierung überlebt.
Hier ist es auch, wo ich die letzten Laufrikschas sehe, die in den meisten Teilen des Landes durch Fahrrad-, oder motorgetriebene Rikschas ersetzt wurden.

IMG_20150404_191222Und doch, nach ein paar Tagen als ich mich an die kaum zu atmende Luft und die Kakophonie von Polizeisirenen und hunderttausenden Hupen gewöhnt habe, beginne ich bei einem Abendspaziergang durch die überfüllten Straßen und Gassen mit ihren unzähligen Läden, Geschäften und Straßenküchen – den unvergleichlichen Charme dieser Stadt zu spüren.
IMG_20150404_191408Den Charme den das “Tor der Göttin Kali”, so die Übersetzung von Kolkata, auch heute noch auszustrahlen vermag.

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