Religion und die Art Auto zu fahren

DSC00377Ich möchte einen Gedanken aufgreifen, der mich beschäftigt, seit ich nach Asien reise: Lange Autofahrten verleiten dazu mich in philosophisch/theologisch tiefschürfende Gedankengänge, je nach Disposition zu versenken, oder zu versteigen. Vor allem Fahrten über enge Bergstraßen in den Ländern rund um den Himalaya beflügeln solche Gedanken. So verwebt sich Gewusstes mit profund Angelesenem und Aufgeschnapptem, um als kaum wieder auflösbare Alltagstheorie tief im Inneren abzusedimentieren.

Ich neige, nach eingehenden Erfahrungen in Zentral- und Südostasien, der Alltagstheorie zu, dass das Fahrverhalten der DSC00687Autofahrer vom Religionsbekenntnis der Mehrheitsbevölkerung bestimmt wird. Gehört der Großteil der autofahrenden Menschen einer Religion an, bei der man es sich durch plötzliches Ableben nur verbessern kann, dann Gnade dir, als Bei- oder Mitfahrer, Gott – welcher auch gerade zuständig ist.

Eben diese gelassene Distanziertheit dem eigenen Weiterleben gegenüber kann sich ganz schön auf die Magennerven des am Leben hängenden Katholiken, oder Atheisten schlagen. Die einen haben noch einiges zu erleiden, damit sie anschließend für des Lebens Mühsal belohnt werden, und die Zeit der anderen ist ohnehin kurz bemessen – eine Chance auf Verlängerung, oder gar eine zweite Halbzeit gibt es ja nicht.

Nun ist mein Erfahrungsschatz, zumindest was Indien angeht, fast 15 Jahre alt. Stimmt meine Theorie, dann scheinDSC00870t der Fahrer, der mich diesmal chauffiert, ein besonders hingebungsvoller Hindu zu sein – er hat nichts, aber auch schon gar nichts zu verlieren. Todesverachtend drängt er sich in die kleinste Lücke zwischen Bus und Lastwagen, fährt in die Kreuzung ein, in der der Querverkehr Vorrang hat und lässt nur Millimeter zwischen dem Außenspiegel und mit Höchstgeschwindigkeit überholten Fußgängern und Rikschas. Eine Hand ständig auf der Hupe, die andere blendet das Fernlicht nur ab, um noch mehr Aufmerksamkeit zu erregen sonst bleiben die Scheinwerfer auf highbeam.

Hat in diesen fünfzehn Jahren die Kombination aus Hinduismus und Turbokapitalismus eine neue Dimension des Verkehrswahnsinns geschaffen?

Nach reiflichem Er- und Abwägen all dieser Theoreme komme ich dann zu dem nicht ganz axiomatisch-deduktiv verbrieften, aber durchaus plausiblen Schluss, dass es sich bei meinem Fahrer einfach um ein besonderes Arschloch handelt.

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