Rückschau – mit ganz, ganz viel Distanz

Rauf ins ABC und wieder runter! Klingt komisch – war es aber auch…
… denn zwischen diesen beiden Ereignissen liegt ein Monat.
Und dieser Monat hatte es in sich. Zunächst der Aufstieg: Bis ins Intermediate Camp geht alles gut. Am Morgen des folgenden Tages koche ich mir zwei Liter Tee, denn es wird ein langer Tag, so um die fünf Stunden hat man mir gesagt. Nach drei Stunden sind die restlichen Getränke aufgebraucht und ich nehme einen tiefen Schluck aus meiner Thermosflasche. Was folgt, ist ein Geschmack als ob ich einen frisch gebadeten Yak abgeleckt hätte. Aber das Wasser ist gut abgekocht, ich habe Durst, also zwinge ich mich noch ein paar Schlucke zu trinken.
Es dauert nicht all zu lange und ich finde mich in Montezumas Armen wieder. Nach der inneren Auskehr frage ich Nigma völlig erschöpft wie weit es noch sei? „Six more hours…“ ist die vernichtende Antwort.
Tatsächlich bin ich nach insgesamt neun Stunden im ABC auf rund 6.400 Meter und schaue ehrfurchtsvoll hinauf zu Chomolungma – der „Göttinmutter der Erde“. Sie sollte mir nicht Wohlgesonnen sein…

Zeitraffer:
Der nächste Morgen: Ich bin erschöpft, kurzatmig, kann nichts essen und bin völlig antrieblos. Oft dauer die Entscheidung welchen Schuh ich zuerst an ziehen soll eine gute viertel Stunde.
Nachdem sich mein Zustand auch nach drei Tagen nicht gebessert hat, die Erkenntnis, AMS: Nicht Arbeitsmarktservice, sondern Acute Mountain Sickness. Sofortiger Abstieg ist angeraten. Doch Helikopter können aus dieser Höhe niemanden mehr evakuieren und auf tibetischer Seite gibt es ohnehin keine.
Also Therapie: Zwei Nächte lang atme ich zusätzlichen Sauerstoff, der Effekt ist verblüffend. Als ich mir das erste Mal die Maske anlege und langsam in Morpheus‘ Schoß hinübergleite, finde ich mich plötzlich im Tiefflug über einer Wüste wieder. Als ich hochsteige meine ich zuerst die Arabische Halbinsel zu erkennen, doch dann taucht eine riesige Zitronenspalte auf – ich fliege über einem Wiener Schnitzel!
In den folgenden Tagen werde ich von schweren Migräneanfällen gebeutelt, doch dann beginnen die Medikamente zu greifen, ich kann wieder mehr als zehn Meter am Stück gehen. Nun ist es Zeit für den Abstieg zu trainieren, denn da warten 25 Kilometer und gut 1.000 Höhenmeter auf mich.
Einstweilen kämpfe ich mit den gewaltigen Temperaturunterschieden im Zelt. Nachts hat es so um die minus 25 Grad, was sehr angenehm zum Schlafenist, doch sobald am Morgen die Sonne auf die Zeltwand brennt steigt das Thermometer auf mehr als 50 Grad Celsius und dann ist im Zelt überhaupt keine Erholung mehr möglich.

Nach einem Monat und zwei Tagen auf 6.435 Meter ist es soweit – rund 10 Kilogramm leichter mache mich auf den Abstieg und nach sieben Stunden bin ich, als glücklichster Mensch der Welt, zurück im Basislager.

Ob ich wiederkommen werde? Natürlich! Schon Mitte August ist es soweit, dann gilt es den Film „The Sherpas‘ Quest“ fertig zu stellen. Aber das mit dem Höhenbergsteigen, das werde ich besser sein lassen.

 

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